Didaktik in der Erwachsenenbildung

Wer in der Erwachsenenbildung tätig ist, weiß um die unterschiedlichen Herausforderungen, die sich beim Lernen mit Erwachsenen stellen.

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Als Bildungsreferent habe ich mich im Rahmen meiner Diplomarbeit (MTh Unisa) mit dem Thema der Didaktik innerhalb der Erwachsenenbildung ausführlich beschäftigt. Meine Ergebnisse lassen sich sowohl im Rahmen der allgemeinen Bildungsarbeit als auch in der (frei-) kirchlichen Gemeindepädagogik anwenden.

Ein wesentlicher Schwerpunkt beim Lernen mit Erwachsenen sind die Lerntypen und die Lernstile. Nachfolgend habe ich aus meiner Arbeit nach Manuela Dollingers Buch “Wissen wirksam weitergeben” zusammengefasst. Wer mehr erfahren will, kann meine komplette Masterarbeit (geb. 154 S./30 €) bei mir bestellen (contact@detlefkuehlein.de) oder auch nach Seminarangeboten fragen, die ich als Dozent fĂĽr Erwachsenenbildung individuell anbiete.

Manuela Dollinger (Kommunikationstrainerin) unterscheidet in ihrem Buch “Wissen wirksam weitergeben” drei verschiedene Lerntypen: den visuell Lernenden (Lernen durch Sehen, mit den Augen), den auditiv Lernenden (Lernen durch Hören, mit den Ohren) und den kinästhetisch Lernenden (Lernen durch Bewegung, mit allen Sinnen) (vgl. Dollinger 2003:20-21). „Wenn sie vor Gruppen stehen“, so Dollingers langjährige Erfahrungswerte, „können Sie davon ausgehen, dass alle drei Lerntypen vorhanden sind, in etwa folgender Verteilung: 46% Visuelle, 36% Prozent Kinästheten und 18% Auditive“ (:20).

Dollinger kommt aus der Praxis und kann fĂĽr die Unterrichtspraxis und fĂĽr Dozenten zahlreiche Tipps geben, damit alle drei Lerntypen bedient werden. Um als Dozent alle drei Lerntypen zu bedienen, sind folgende Bedingungen zu beachten (:28-29):

Für den visuell Lernenden ist es wichtig, dass …

- Der Blickkontakt mit allen Teilnehmern gehalten wird

- Eine offene den Zuhörern zugewandte Gestik eingesetzt wird

- Mit bildhaften Gesten und Vergleichen erklärt wird

- Mit Visualisierungen (Medien) das Lernen erleichtert wird

- Ăśbersichten und Lese-Orientierung an den Medien geboten werden (Visualisierungen an Flipchart oder Pinnwand, Schaubilder an Hellraumprojektor oder Beamer, Ăśbersichten, Diagramme sowie der Einsatz von Farben zur Hervorhebung)

- Mit Exkursionen, Lehrvideos und Handouts mit bildhaften Darstellungen gearbeitet wird

Für den kinästhetisch Lernenden ist es wichtig, dass …

- Eine gute Beziehungsebene zur Gruppe geschaffen wird

- Menschen zum Lachen gebracht werden und es unterhaltsam ist

- Gymnastik fĂĽr das Gehirn integriert wird

- Spannung erzeugt und GefĂĽhle aktiviert werden

- die Zuhörer aktiv mitmachen (praktische Übungen, Experimente, Selbsterfahrungen, Real-Life-Aufgaben und das selbständige Erarbeiten von Inhalten, Mitschreiben)

Für den auditiv Lernenden ist es wichtig, dass …

- Gut hörbar (Lautstärke) und frei gesprochen wird

- Angenehmes Tempo beim Sprechen und Sprechpausen eingehalten werden

- Wichtiges durch Modulation der Stimme betont wird

- Verständliche Erklärungen abgeliefert werden

- Anekdoten zu Merkhilfen (EselsbrĂĽcken) werden

- Die Zuhörer ausreichend zu Wort kommen

- Auf Fragen der Zuhörer angemessen eingegangen wird

Das Geheimnis liegt für Dollinger in der Mischung verschiedener Lernstrategien. Abwechselnde Bedienung der drei Lerntypen, die Einbindung beider Gehirnhälften und das Auslösen von Lernmotivation bedeuten für sie ganzheitliches Lernen (:36-37). Mit dem 4-mat-System beschreibt sie vier verschiedene Lernstrategien (:33):

- die Problemlernenden (why-learner), die einen Leidensdruck zum Lernen brauchen

- die Zukunftslernenden (what-if-learner), die wissen wollen, was ihnen das Thema bringt

- die Info-Junkies (what-learner), die Jäger und Sammler von Informationen sind

- die Rezept-Köche (how-to-learner), die auf der Suche nach Anwendungstipps sind.

Buchempfehlung

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  • Gebundene Ausgabe: 223 Seiten
  • Preis: 26,50 €
  • Verlag: Orell Fuessli; Auflage: 1 (März 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3280050235
  • ISBN-13: 978-3280050231

Dollinger bezieht sich hier auf Erkenntnisse der Anatomie, wonach die linke Gehirnhälfte für verbal-abstrakte und logisch-analytische Denkvorgänge zuständig sein soll und die rechte Gehirnhälfte für konkret-bildhafte und kreative Denkvorgänge. Die Einbindung beider Hirnhälften erfordert z.B. die Verknüpfung von Texten mit Bildern oder Gliederungen mit Zahlen und Symbolen zu erstellen. Manfred Spitzer unterstützt als führender Wissenschaftler auf diesem Gebiet diese Gehirnhemisphärentheorie und die Funktion des Hippokampus beim Lernen (vgl. Spitzer 2003:22-36).

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